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HUNDUN*

Idee und Konzept, visuelle Umsetzung / Judith Egger
Neele Hülcker / Komposition und Klangkonzept

Mit Hudun präsentierte Judith Egger auf der Münchner Biennale für Musiktheater 2016 eine Performance, die sich - wie die mit dem Kunstpreis zwei:eins ausgezeichnete Projektidee - mit den Ursprüngen des Lebens beschäftigt.

Hundun lebte sein makelloses und ewiges Leben im Zentrum der Welt. Er bekam regelmäßig Besuch von den Herren des Südmeeres, Shu, und des Nordmeeres, Hu. Da er ihnen immer große Gastfreundschaft gewährte, beschlossen sie, ihm im Gegenzug etwas Gutes zu tun. Sie sagten sich: „Alle Menschen verfügen über sieben Körperöffnungen - zum Sehen, Hören, Essen und Atmen. Doch der große Hundun verfügt über keine einzige Öffnung, deshalb wollen wir ihm welche zufügen.“ 
Hundun nahm den Vorschlag begeistert an. So bohrten sie ihm Tag für Tag eine Öffnung in den Körper. Am siebten Tag aber, als sie die siebte Körperöffnung zu Ende gebohrt hatten, verstarb Hundun. *

In Anlehnung an: Dschuang Dsi (das wahre Buch vom Südlichen Blütenland ), Buch VII, 7. Geschichte, Übersetzung Richard Wilhelm

Spärlich beleuchtet in einer geheimen Laborsituation wird ein großer unförmiger und amorpher Körper von zwei Personen vierhändig akribisch abgetastet und erforscht: Neele Hülcker und Judith Egger untersuchen die Oberfläche und Körperöffnungen mit hochsensiblem Mikrophonen; die gemeinsam erzeugte Klangkompositionen wird auf die Funkkopfhörer der Besucher übertragen. Parallel entstehen anhand von unterschiedlicher Bildgebungsverfahren (Ultraschall und Endoskopie) Nahaufnahmen. Diese visuelle Forschungsreise wird auf Bildschirme im Raum übertragen und vermischt sich mit der Klangkomposition zu einem synästhetischen Dialog in dem sich ganz neue Assoziationswelten auftun.

*Hundun steht in der chinesischen Mythologie für das Konzept der urzeitlichen Formlosigkeit und dem Zustand der paradiesischen Ungetrenntheit vor dem Beginn der Welt.

Cécile Olshausen vom Schweizer Radio:

"Hundun - eine verstörende Geschichte. Neele Hülcker und Judith Egger erzählen sie nicht nach, sie ist aber im Hintergrund immer präsent. Mit hochtechnologischen Mitteln schaffen die beiden Künstlerinnen Hundun eine musiktheatralische Szene. Lassen ihm dabei aber seine archaische Urkraft und geheimnisvolle Ausstrahlung, ein Spiel zwischen Hightech und Märchen. Die Begegnung mit Hundun führt unseren modernen Alltag mit unserer Fantasiewelt auf raffinierte Weise zusammen."

Fotos: Judith Egger und Franz Kimmel